Rudolf Steiner - Vorsicht

Quelle: Buchvorstellung auf Helmut Pilhar´s Homepage

Buch:
Das Rätsel der Todeskrankheit Rudolf Steiners
Eine medizinisch-biographische Studie
von Johann S. Mohr

In diesem Buch wird das Rätsel um die "Todeskrankheit" Rudolf Steiners aus der Sicht der Neuen Medizin gelüftet. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, habe aber schon aufgrund der folgenden Passagen starke Bedenken gegen diese Art von Literatur. Hierbei geht es vor allem um zwei Dinge:
1) Problematik der Ferndiagnose und
2) "Reichweite" der 5 Biologischen Naturgesetze der Neuen Medizin

Zu 1): Ferndiagnose - dazu der Klappentext des Buches
Dieser Studie zur Todeskrankheit Rudolf Steiners, des Begründers der Anthroposophie, ist eine lang überfällige Arbeit. Zu diesem Thema lagen bisher keine Veröffentlichungen vor, da es an einer tauglichen Methode, dies Rätsel zu lösen, fehlte. Mit einem neuen wissenschaftlichen Ansatz, der eine Verbindung biologisch-medizinischer Symptomatik mit lebensgeschichtlichen Ereignissen/Erlebnissen erlaubt, wird die Diagnose der bis heute verschleierten Art der Erkrankung Steiners herausgearbeitet und in den zugehörigen biographischen Kontext gestellt. Aufgrund der soliden Beweisführung, die durch den neuen Ansatz möglich wurde, hat die allgemeinverständliche Arbeit nicht wenig Aussicht, Standardwerk in dieser Frage werden zu können.

Solche Ferndiagnosen haben immer den Geschmack des Unwissenschaftlichen, Unseriösen - nicht zu Unrecht, selbst wenn die Ergebnisse in diesem und vielen anderen Fällen durchaus richtig sein könnten. Bei Steiner kommt zu der räumlichen auch die zeitliche Distanz hinzu. Die Neue Medizin wäre gut beraten, auf solche spekulativen Erwägungen zu verzichten.

Zu 2): Reichweite der Naturgesetze
Hierzu ein Auszug aus dem Buch selbst:
Können Eingeweihte krank werden? Das Ärgernis dieser Frage ist ein zweifaches: für den, der den sog. Eingeweihten Rudolf Steiner für nichts mehr und weniger als einen gewöhnlichen Menschen hält, ist es ein selbstverständlicher Syllogismus, daß er auch krank werden konnte. Für den hingegen, der Steiner als Übermenschen ansieht, liegt das Ärgernis darin, ihm nun auch noch rein menschliche d.i. biologische Konflikte zu "unterstellen", wie sie von dem neuen Krankheitsverständnis gefordert werden. Gehört es doch zum inneren Schulungsweg jedes Adepten, mit den vorgebrachten Erschütterungen und seelischen Affekten wie Zorn, Ärger, Demütigungen u.a. umgehen zu lernen und diese zu vermeiden. Und gar Rudolf Steiner sollte dies nicht gelungen sein? Von daher ist es nötig, wenigstens einige Aspekte zusammenzutragen, um eine freie Urteilsgrundlage zu erhalten. Vor allem übersieht der Vertreter des zweiten Standpunktes, daß jede Erkrankung auch eine biologische Ebene von universaler Gültigkeit hat, der niemand sich entziehen kann. Denn ihre Grundlagen sind Naturgesetze. ...

Soweit der Auszug. Um es kurz zu machen, ich bin mir sicher, daß die Schlußfolgerung des Autors zu weit geht, indem er die Naturgesetze der NM überdehnt. Sicher sind die Krankheitsursachen in der Neuen Medizin biologischer Natur, sicher kann sich niemand seiner biologischen Existenz entziehen, nur weil er ein "Eingeweihter" ist. Ob es hingegen unmöglich ist, z.B. durch bestimmte Meditationstechniken das Gehirn und die Psyche gleichsam "DHS-resistent" zu machen, ist nach wie vor eine offene Frage. Die Regel ist es sicher nicht, aber auch die NM weiß bei weitem nicht alles über die Vorgänge im Gehirn und wie diese beeinflußt werden können.

Zum Abschluß möchte ich noch anmerken, daß die Unterstellung, einige Menschen könnten Steiner als Übermenschen ansehen, etwas befremdlich ist. Ob das Buch nur objektivem wissenschaftlichen Interesse entspringt, oder auch andere Hintergründe hat, wer vermag das zu sagen.

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