Wissenschaftlichkeit - ein Mehrheitsproblem
GZM 1998

In ihren Mitteilungen 3/97 veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde eine Stellungnahme über "Komplementäre Verfahren in der Zahnheilkunde". Quintessenz dieser immerhin vier Seiten langen Einlassung ist die Erkenntnis, daß "etliche alternativmedizinische Vorstellungen so weit außerhalb des derzeitigen wissenschaftlich begründeten Erkenntnisstandes (liegen), daß die Wahrscheinlichkeit für ihre Richtigkeit als vernachlässigbar anzusehen ist. … Das beharrliche Festhalten der Protagonisten der alternativen Medizin an ihren Vorstellungen trotz aller begründeten Einwände hat Aspekte des Glaubens." Der aktuelle Streit um die Wissenschaftlichkeit ganzheitlicher Methoden läßt Erinnerungen wieder hochkommen. Lesen Sie im Folgenden:

o Die zeitlose Glaubensgeschichte
Vor einiger Zeit entdeckte ein junger Mediziner ein neues Verfahren, mit dem er die Nebenwirkungen und Risiken bisherigen medizinischen Vorgehens erheblich minimieren konnte. Nachdem er reichlich Erfahrungen mit seiner Methode gesammelt hatte, meldete er einen Vortrag für den nächsten medizinischen Kongreß an. Ein ehrenwerter Tagungsleiter kündigte seinen Vortrag an. Unter den 800 Zuhörern waren der Vater und mehrere "Kollegen und Freunde", die sich bei ihm vor Ort von der Richtigkeit seiner Methode und seinem durchschlagenden Erfolg überzeugt hatten.

Der Referent begann seinen Vortrag mit der Sicherheit des Wissenden. Nach einiger Zeit jedoch rückte der Tagungspräsident unruhig und hilfesuchend auf dem Sessel hin und her. Offensichtlich war ihm der Inhalt des Vortrages nicht geheuer. Er suchte Verstärkung seiner ablehnenden Meinung im Auditorium. Der Referent schloß seinen Vortrag mit den Worten "…, so daß ich es mit dieser unschädlichen Methode in der Hand aus ideellen, moralischen und strafrechtlichen Gesichtspunkten für nicht mehr erlaubt halte, die bisherigen gefährlichen Maßnahmen da anzuwenden, wo wir mit der neuen Methode ausreichend gute Ergebnisse erzielen".

o Wahrheitsfindung per Abstimmung
Der Referent berichtete später: "Es erhob sich ein Sturm der Entrüstung, der mich beinahe umgeworfen hätte, so verblüfft war ich". Der Präsident läutete lange die Glocke. Als sich das Getöse einigermaßen gelegt hatte, sagte er: "Meine Herren Kollegen, wenn uns solche Dinge entgegengeschleudert werden, wie sie in dem Schlußsatz des Vortragenden enthalten sind, dann dürfen wir von unserer Gewohnheit, hier keine Kritik zu üben, wohl abweichen, und ich frage die Versammlung: Ist jemand von der Wahrheit dessen, was uns hier eben entgegengeschleudert worden ist, überzeugt, dann bitte ich, die Hand zu heben." Nicht eine Hand hob sich. Hätte der junge Kollege nicht erwarten können, daß einer der Augenzeugen der "Kollegen" und der "Freunde" sich gemeldet hätte? Hätten sie sich nicht als Zeugen benennen müssen? Hätten nicht vier oder fünf von ihnen genügt zur Verteidigung der Richtigkeit der Aussagen? Sie schwiegen, weil sie der demagogisch erzeugten Mehrheitsbildung nicht entgegentreten wollten. Der junge Kollege bat noch einmal ums Wort, um den Zuhörern coram publico die Wirkung seiner Methode vorzuführen. Allein der Präsident verweigerte ihm dieses Ansinnen.

In den Zeitungen konnte man lesen: "Der also Gekränkte verließ gedemütigt den Saal". Als er unterhalb des Gebäudes auf einer Terrasse stand, lief ein einziger von den 800 Kollegen ihm nach. Er sagte entsetzt: "Junger Herr Kollege, ich weiß nicht, ob Sie recht haben mit dem, was Sie erfunden haben. Aber sollte das der Fall sein, so ist das, was sich eben hier abgespielt hat, das Unerhörteste, was sich je in der Wissenschaft zugetragen hat." Sein alter Vater, der das ganze Geschehen im Hörsaal hatte miterleben müssen, tröstete seinen Sohn. "Glaube mir, mein Sohn, wem so schweres Unrecht geschieht, dem wird die Mühe erspart, sich zu verteidigen. Das nehmen Dir einmal andere ab. Arbeite ruhig weiter." Und so arbeitete er weiter und bot zum nächsten Kongreß sein Verfahren in der Höhle des Löwen in der Universitätsklinik als Demonstrationsvortrag an. Von den ehedem 800 anwesenden Mitgliedern des Kongresses erschienen zu dieser Vorführung nicht einmal 30. Und doch hat ihn dieser unerschrockene Gang in die Höhle des Löwen erst eigentlich aufgerichtet, denn es ereignete sich eine Szene ganz eigener Art.

o Form vor Inhalt
Der Ordinarius und Klinikchef überprüfte das Ergebnis des Verfahrens und rief mit baltischem Pathos: "Wenn dies hier nicht so ist, wie unser junger Kollege behauptet, dann lasse ich mich hängen." Ein sehr bekannter Kollege des gleichen Fachs, der zugegen war, wandte sich ab und meinte: "Aber so macht man doch so etwas nicht". Er verlangte das "Schema F". Der von der Richtigkeit der Methode überzeugte Ordinarius und Klinikchef sagte daraufhin dem jungen Kollegen ins Ohr: "Antworten Sie dem alten . . . doch nicht; er ist blind und taub und von Gott verlassen!" Der Kongreß aber, ja der Kongreß schwieg. Die Methode breitete sich aus, doch die offizielle Medizin schwieg ihn tot. Seine Bücher fanden keinen Verleger, seine Worte verhallten in der medizinischen Wüste.

o 10 Jahre bis zur Anerkennung
Kurz, es dauerte noch 10 Jahre, bis eine Wende eintrat. 10 Jahre wurde ein Verfahren boykottiert, das Tausenden von Kranken und Unfallopfern Schmerzen ersparen konnte, wie die Patienten dieses Arztes und einiger anderer Ärzte längst wußten. Nach 10 Jahren raffte sich endlich ein großartiger, ein wahrer Kollege und einflußreicher Professor auf und trat überraschend vor denselben Kongreß und berichtete über viele tausende von Behandlungen mit dem Verfahren unseres so geschmähten Arztes. Ein Wort der Entschuldigung oder der Sühne ist bis auf den heutigen Tag nicht ausgesprochen worden. Im Gegenteil wirkte die vom ehemaligen Sitzungspräsidenten in Sekundenschnelle in die Welt gesetzte Legende und blieb selbst danach noch im Schwange. Er gab vor, unser Referent habe jedem mit dem Staatsanwalt gedroht, der sich noch erdreiste, die alten Techniken und nicht seine neuen anzuwenden. Statt dessen bemerkte man nun das Phänomen nachträglicher Widerstandskämpfer. Es gab einige - oder waren es weit mehr - die sagten, sie seien von Anfang an von der Richtigkeit dieser Methode überzeugt gewesen. Nur hatten sie es nie gesagt. Es ist das Phänomen der plötzlichen Herausbildung "alter Kämpfer". Diese widerliche Form intellektueller Unredlichkeit erleben wir bis auf den heutigen Tag. Auch die Neuzeit wird weiterhin vom geistigen Mittelalter und geistiger Mittelmäßigkeit beherrscht.

o Wer war's?
Die Methode, um die es in dieser Geschichte ging, war weder die Homöopathie, noch die Elektroakupunktur-Diagnostik, noch die Bioresonanztherapie. Es war die Erfindung der Lokalanästhesie durch den genialen Arzt Carl Ludwig Schleich, Carl Ludwig Schleich der 1892 versuchte, seine Erkenntnisse vor dem Chirurgenkongreß in Berlin der Öffentlichkeit bekanntzumachen. Abgebügelt wurde er vom Präsidenten Adolf Heinrich von Wardeleben, einem berühmten Chirurgen seiner Zeit. Sein erster Gönner wurde Ernst von Bergmann, ein großer Chirurg, der sich um Asepsis, Kriegs- und Hirnchirurgie verdient gemacht hatte. Der Ordinarius, der in der Methode Schleichs sein Operationsschema nicht erfüllt sah, war kein Geringerer als Friedrich von Esmarch, ebenfalls berühmter Chirurg der damaligen Zeit in Kiel. Der Mann, der C. F. Schleich zum Durchbruch verhalf, war Prof. Dr. med. Johann von Mikulicz-Radecki von der Universität Breslau.



o Dummheit ist zeitlos
Der Inhalt dieser Geschichte ist zeitlos. Die Namen der Männer sind Rollen, die auch aktuell schon wieder mit Namen deutscher Ordinarien besetzt sind. Scheinheilig wird da um gemeinsame Studien zum Funktionsprinzip der Elektroakupunktur geworben und hintenrum geäußert: "Lassen Sie uns erst mal die Ergebnisse haben, dann werden wir die Hexe schon verbrennen!" Skrupel kennen sie nicht. Bewarb sich doch die Ehefrau eines "Verbrennungsordinarius" in der Praxis eines ganzheitlich tätigen Kollegen um eine Assistentenstelle. Frech sind sie und feige. Sind sie doch alle über die Fernsprechauskunft nicht erreichbar! Anmerkung: Die Geschichte Carl Ludwig Schleichs wurde frei nacherzählt nach dem Buch "Krebs ist heilbar, - Dr. med. Ryke Geerd Hamer - Beispiel einer Erkenntnisunterdrückung" von Prof. Dr. Hanno Beck, emeritierter Ordinarius für das Fach der Geschichte der Naturwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Alle Herren Professoren, mit denen die Rollen der Unterdrückungsordinarien besetzt waren, finden sich versammelt im deutschen Brockhaus Lexikon.

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