Presserat entscheidet: Der Deckel bleibt drauf!


Entscheidung des Deutschen Presserats über meine Beschwerde gegen die Hamburger Morgenpost
wegen eines Artikels vom 14.9.2004 zur Verhaftung Dr. Hamers und den Veranstaltungen mit Helmut Pilhar.

Ihre Eingabe vom 22.11.2004
./. Hamburger Morgenpost

Sehr geehrter Herr Faas,

wir kommen zurück auf Ihre o.g. Eingabe. Sie beschweren sich über den Beitrag unter der Überschrift "Vorsicht vor diesem ´Missionar´". Gleichzeitig bitten Sie um Prüfung, ob dieser Beitrag gegen die Publizistischen Grundsätze des Deutschen Presserats verstößt.

Nach Auffassung des Vorsitzenden der Kammer 1 des Beschwerdeausschusses, Herrn Manfred Protze, sowie des Unterzeichners liegt ein Verstoß gegen den Pressekodex nicht vor. Die Gründe hierfür möchte ich Ihnen im Nachfolgenden näher erläutern.

Die Veröffentlichung beschäftigt sich mit dem festgenommmen Arzt Ryke Geerd Hamer sowie seinen Krebstheorien und Behandlungsmethoden. Grundlage unserer Prüfung war in diesem Zusammenhang die Ziffer 2 des Pressekodex.

Dabei gelangten wir zu dem Schluss, dass die darin definierte journalistische Sorgfaltspflicht durch die Berichterstattung nicht verletzt wurde. Der Autor schildert die Theorien von Hamer und berichtet über seine Festnahme in Spanien. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass der in dem Artikel erwähnte Helmut Pilhar die Lehren Hamers vertritt und sich auf einer Vortragstour in Deutschland befindet. In den Artikel über Hamer läßt die Redaktion auch persönliche Wertung einfließen. Dies kann nicht kritisiert werden und stellt auch keine Verletzung der Sorgfaltspflicht dar, da es dem Autor eines Beitrags erlaubt sein muss, seine persönlichen Ansichten zu bestimmten Dingen darzulegen. Die Passage, in der auf "Heilslehre" und "Ideologien" hingewiesen wird, ist zudem ein Zitat von Ärztekammerpräsident Dr. Michael Reusch. Insofern handelt es sich nicht um eine Behauptung der Redaktion, sondern um Meinung eines Dritten, was der Leser auch erkennen kann.

Insgesamt konnten wir eine Verletzung publizistischer Grundsätze daher nicht feststellen. Ihre Beschwerde war somit unbegründet.

Mit freundlichen Grüßen

(Arno H. Weyand)
Referent des Beschwerdeausschusses

Anmerkung:
Meine Beschwerde richtete sich zunächst gegen den Artikel auf der Internetseite der Hamburger Morgenpost vom 14.09.2004. Wie ich inzwischen gelernt habe, ist der Presserat nur für gedruckte Artikel zuständig. Eine Ausnahme gibt es nur dann, wenn der Internet-Artikel teilidentisch mit einem gedruckten Artikel ist; dann kann auch gegen den Internet-Artikel vorgegangen werden. Dies habe ich auch versucht, aber offenbar geht die teilweise Übereinstimmung beider Artikel dem Presserat nicht weit genug, so daß er sich in obiger Stellungnahme ausschließlich mit dem Artikel im Blatt auseinandersetzt, das den gleichen Titel trägt (Zitate daraus siehe ganz unten).

Die Ablehnung dieser Beschwerde wurde dem Presserat somit erleichtert, denn der der Artikel auf der Internetseite der Hamburger Morgenpost war wesentlich deftiger als der im Blatt. Man darf wohl davon ausgehen, daß genau dies die wohlkalkulierte Absicht der Medienmacher ist.

Trotzdem ist die Ablehnung meiner Beschwerde nicht zu verstehen. Ich werde mich jetzt nicht in allen Details mit dieser Entscheidung des Presserats befassen, nur soviel: Eine "Meinung" zu haben ist etwas anderes als mit Suggestivbegriffen zu arbeiten, und diese null zu belegen. Vor allem dann, wenn diese Suggestivbegriffe (""Wunderheiler von eigenen Gnaden, Heilslehre, Missionar") alle in eine bestimmte Richtung gehen, nämlich religiös motivierte Heilungsversprechen statt wissenschaftlicher Medizin - was die Neue Medizin auf den Kopf stellt. So etwas ist keine "Meinung", sondern Vorurteil (von anderen einfach abgeschrieben), völlig unbelastet von jeglicher Recherche. Es stimmt übrigens auch nicht, daß der Begriff "Heilslehre" nur als Zitat vorkommt, sondern er wird schon lange vor diesem Zitat mehrfach verwendet; die Redaktion hat ihn sich ganz offensichtlich zu eigen gemacht.

Hätte der Presserat anders entschieden, hätte er allerdings möglicherweise eine Lawine losgetreten. Wer Bestandteil dieses Systems ist und auch bleiben will, kann folglich nur so entscheiden.

Ich denke, die folgenden Zitate aus dem Artikel (14.09.04, Seite 10 in der Printausgabe der Hamburger Morgenpost) sprechen für sich:
´Vorsicht vor diesem "Missionar" ´
´Als Wunderheiler von eigenen Gnaden machte der deutsche Arzt Ryke Geerd Hamer weltweit Schlagzeilen.´
´die von Hamer propagierte "Heilslehre" gegen Krebs´
´Angekündigter Redner ist einer der treuesten Jünger Hamers´

Ziffern 1 und 2 des Pressekodex lauten wie folgt:
"Ziffer 1
Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.
Ziffer 2
Zur Veröffentlichung bestimmte Nachrichten und Informationen in Wort und Bild sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Dokumente müssen sinngetreu wiedergegeben werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen. Symbolfotos müssen als solche kenntlich sein oder erkennbar gemacht werden.
"

Interessanterweise wurde nur Ziffer 2 geprüft, obwohl ich auch eine Verletzung der Ziffer 1 gerügt hatte. Offenbar sind "die Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit" doch nicht so ganz die "obersten Gebote" - weder für die Presse noch für den Presserat!




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