Krebsheilungen - ein statistischer Schwindel


Progress in war against cancer questioned
Five-year survival rate may not measure cancer success
MSNBC STAFF AND WIRE REPORTS

Fortschritte im Krieg gegen Krebs in Frage gestellt
Fünfjährige Überlebensrate nicht unbedingt Maßstab für Therapieerfolge

MSNBC 13. Juni 2000
Der oft zitierte Anstieg der 5-Jahres-Überlebensrate bei Krebs ist möglicherweise eher ein Ergebnis von frühzeitigeren Diagnosen als ein Beweis für wirkliche Fortschritte im ´Krieg gegen den Krebs´, teilten Forscher am Dienstag mit. "Wir fanden heraus, daß der Anstieg der fünfjährigen Überlebensrate in keiner nennenswerten Beziehung zu tatsächlichen Veränderungen der Mortalität bei Krebs steht."

In einem Bericht, der in der dieswöchigen Ausgabe des Journals der Amerikan Medical Association veröffentlicht wurde, sagte der Hauptautor Dr. H. Gilbert Welch, daß die 5-jährige Überlebensrate - die Zahl der Krebspatienten, die fünf Jahre nach der Diagnose noch leben - vermutlich irreführend ist. Diese Erkenntnisse basieren auf Bemühungen des National Cancer Institute (Nationales Krebsinstitut der USA), Krebsdaten in den Vereinigten Staaten zu sammeln und zu analysieren. Die Analyse befaßte sich zunächst für den Zeitraum zwischen 1950 und 1995 mit den 20 häufigsten Krebstypen und den fünfjährigen Überlebensraten - der Standardzeitraum für die Erfolgskontrolle von Krebstherapien -, anschließend mit der Häufigkeit der Todesfälle und des Auftretens der Krankheit. Bei einigen Krebsarten überleben zwar mehr Personen die 5-Jahresfrist nach der Diagnose, aber gleichzeitig bekommen mehr Personen dieselbe Art von Krebs und sterben auch daran. "Wir fanden heraus, daß die fünfjährige Überlebensrate während des ganzen Untersuchungszeitraums in keiner nennenswerten Beziehung zu Veränderungen der Mortalität bei Krebs steht", schrieben die Autoren.

Beispiel: Die 5-Jahres-Überlebensrate bei Prostata-Krebs stieg von 43% in 1954 auf 93% in 1995. Jedoch stieg die Mortalitätsrate, die Zahl der Patienten pro 1000, die an Prostatakrebs sterben, in der gleichen Zeit um 10% an.
Welch, ein Arzt aus dem Department of Veterans Affairs Hospital in White River Junction, Vt., und Professor an der Dartmouth Medical School, sagte, daß der Anstieg der Überlebensraten überwiegend auf frühzeitigere Diagnosen des Krebses, nicht auf Fortschritte in der Behandlung zurückzuführen sei.
Der Überlebenszeitraum beginnt stets mit dem Tag der Diagnose, daher sieht es so aus, als würden die Menschen länger leben, während viele davon in Wirklichkeit nur früher von ihrer Krebserkrankung erfahren, sagte Welch.

Beispiel: Wenn bei einem Mann mit 75 Jahren Prostatakrebs diagnostiziert wird, und er mit 78 Jahren stirbt, ist die 5-jährige Überlebensrate Null; wenn ein anderer Mann mit 73 dieselbe Diagnose bekommt und er ebenfalls mit 78 stirbt, ist die Rate 100%. Beide Männer haben den Krebs zur gleichen Zeit bekommen, aber einer wurde früher diagnostiziert und schien eine bessere 5-Jahres-Überlebenschance zu haben, obwohl am Ende das erreichte Alter dasselbe war.
"Wir wissen, daß die 5-jährige Überlebensrate immer ansteigt, wenn wir den Krebs früher in Patienten entdecken können. Ob diese Patienten aber auch ihren Tod hinauszögern können, ist eine ganz und gar andere Frage", erklärte Welch. Er fügte hinzu, daß diese Erkenntnisse nicht bedeuten, daß es keinerlei Fortschritte in der Krebsbehandlung gebe, oder daß die Früherkennung abgeschafft werden sollte. "Unsere Resultate möchten wir nicht so verstanden wissen, daß es keinen echten Fortschritt in der Krebsbehandlung gegeben hätte. Vielmehr behaupten wir, daß eine steigende 5-Jahres-Überlebensrate für einen bestimmten Tumor nicht eine tatsächliche Verringerung des Leidens reflektiert und daher nicht als Beweis für eine verbesserte Prävention oder Therapie geeignet ist", schrieben die Autoren. Welch sagte auch, daß die Öffentlichkeit und die Medien skeptischer gegenüber solchen Erkenntnissen sein sollten, die nur auf der Analyse von Überlebensraten beruhten [Hervorhebung von mir].

Dr. William Hoskins vom der Abteilung für Krankheitsüberwachung im Memorial Sloan-Kettering Cancer Center (Krebszentrum) in New York City, sagte, daß die Zahl "5 Jahre" ein wichtiger Maßstab sei, weil nach dieser Zeit der Krebspatient üblicherweise als geheilt gelte. Er stimmte damit überein, daß frühzeitigere Diagnosen die Überlebensrate wahrscheinlich erhöht hätten, aber er sagte, daß zumindest einige dieser Fälle wahrscheinlich Menschen waren, die auch von der frühzeitiger beginnenden Behandlung profitiert hätten und geheilt worden seien, und nicht bloß Menschen, die einfach nur früher diagnostiziert wurden, ohne daß sie deshalb länger gelebt hätten.


Early Lung Cancer Detection Does Not Increase Survival
ursprünglich auf www.oncology.com

Früherkennung von Lungenkrebs verlängert nicht das Leben

Daniel M. Rosett 16. Juni 2000
Je früher der Krebs entdeckt wird, desto erfolgreicher ist die Behandlung, und desto besser sind die Überlebensaussichten, so lautet eine weitverbreitete Weisheit. Aber gemäß neuerer Forschungsergebnisse scheint dies zumindest für einen bestimmten Typ von Lungenkrebs nicht zuzutreffen, Die überraschende Erkenntnis einer Studie, welche in der Juni-Ausgabe [2000] des Journals "Chest" vorgestellte wurde, bestand darin, daß es keine Korrelationen zwischen der Tumorgröße und der Überlebenschance gibt. "Es bleibt noch abzuwarten, ob das Entdecken von kleineren Knötchen mit neueren (noch empfindlicheren) Technologien wie die Computer-Tomografie den natürlichen Ablauf der Krankheit beeinflussen kann," sagte der leitende Forscher Edward F. Patz, M.D. [~ Dr. med.], von der Radiologieabteilung der Duke University Medical Center in Durham, N.C.

Patz und Kollegen beobachteten 510 aufeinanderfolgende Patienten mit einem Durchschnittsalter von 63, die zwischen 1981 und 1999 mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs im Frühstadium diagnostiziert worden waren (ein Krebs, der etwa 80% aller Lungenkrebsfälle stellt). Ihre Tumore wurden als klein betrachtet, um 3 cm oder darunter. Die Patienten wurden mit Chemotherapie oder Bestrahlung behandelt.

Im Augenblick liegt die geringste Größe von Knötchen, die durch Röntgenaufnahmen der Brust entdeckbar sind, bei etwas 5 cm. Gemäß Patz haben vorangegangene Versuche mittels CT bereits gezeigt, daß bei der ersten Untersuchung in bis zu 30% der fälle die kleinen primären Lungentumore sich bereits in die benachbarten Lymphknoten oder entferntere Stellen ausgebreitet hatte.

Typischer Lungenkrebs verursacht im frühen Stadium der Krankheit keine Symptome, und es gibt keine brauchbare Früherkennungsmethode. Lungenkrebs ist in den USA sowohl bei Männern als auch bei Frauen die häufigste Todesursache unter allen Krebsarten. Nach Auskunft des National Cancer Institute. Er tötet schätzungsweise 160.000 Menschen im Jahr. Dieses Jahr werden etwa 177.000 neue primäre Lungenkrebsfälle in den Vereinigten Staaten diagnostiziert werden. Ungefähr 25% der Patienten werden sich einer Operation unterziehen, in der Hoffnung die Krankheit damit zu heilen. Die generelle 5-Jahres-Überlebensrate beträgt nur 13%.

"Trotz fortdauernder Fortschritte in der Diagnostik-Technologie, des Behandlungsprotokolls und der Tumor-Biologie," erklärte Patz, " hat sich die Überlebensrate für Lungenkrebspatienten im Laufe der letzten Jahrzehnte nur geringfügig verbessert. Die meisten Patienten tauchen erst mit fortgeschrittenem Krebs auf, bei dem dann die therapeutischen Optionen ohnehin nicht mehr optimal sind."

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