Dr. Kary Mullis erhielt 1993 den Nobelpreis für Chemie (Photo). Die folgenden Ausschnitte (übersetzt) stammen aus dem 18. Kapitel seines neuen Buches "Dancing Naked in the Mind Field" (hier Info/Bestellung)

Als ich 1984 zum ersten Mal hörte, daß Luc Montagnier...und Robert Gallo..unabhängig voneinander entdeckt hatten, daß der Retrovirus HIV...AIDS verursache, akzeptierte ich es einfach als ein weiteres wissenschaftliches Faktum. Es lag ein wenig außerhalb meines Fachgebiets der Biochemie und diese Männer waren Spezialisten für Retroviren.

... Vier Jahre später arbeitete ich als Berater an "Specialty Labs" in Santa Monica... Ich schrieb einen Bericht für einen Projekt-Sponsor und begann mit der Feststellung: "HIV ist die wahrscheinliche Ursache für AIDS" Ich fragte einen Virologen von "Specialty" wo ich die Referenz dafür finden könnte, daß HIV die Ursache für AIDS sei. "Du brauchst keine Referenz", sagte er mir. "Jedermann weiß es." "Ich würde gern eine Referenz anführen", ich fühlte mich ein wenig albern, weil ich die Quelle einer solch wichtigen Entdeckung nicht kannte. Alle anderen schienen sie zu kennen. "Warum zitierst du nicht den C.D.C. Report?" schlug er vor und gab mir eine Kopie des regelmäßig erscheinenden Berichts des Centers for Disease Control über Krankheitsausbrüche und Sterblichkeit. Ich las ihn. Es war kein wissenschaftlicher Artikel.... er war gedacht für Ärzte, die die Quelle der Information nicht zu wissen brauchten. Ärzte setzten voraus, daß, wenn die C.D.C. überzeugt war, irgendwo ein wirklicher Beweis dafür existieren müsse, daß HIV AIDS verursache. ...

Mit Hilfe des Computers setzte ich meine Suche fort. Weder Montagnier, Gallo noch sonst jemand hatten Dokumente veröffentlicht, die den Schluß zuließen, daß HIV wahrscheinlich AIDS verursache. Ich las die Dokumente in "Science"...aber alles was sie sagten war, daß sie eine frühere Infektion mit etwas nachgewiesen hatten, das wahrscheinlich HIV in einigen AIDS-Patienten war. Sie fanden Antikörper....sie zeigten nicht auf, daß jeder Mensch mit Antikörpern diese Krankheit hatte. Tatsächlich fanden sie *gesunde* Menschen mit Antikörpern....

Die Forschung, die auf dieser [HIV] Theorie beruhte, beschäftigte Zehntausende von Wissenschaftlern und verschlang jedes Jahr Milliarden von Dollar. Irgendwo mußte der Grund dafür zu finden sein; andernfalls wäre diesen Leuten nicht erlaubt worden, ihre Forschung auf einen so schmalen Pfad zu lenken. Ich hielt viele Vorträge über P.C.R. [von Mullis entwickeltes Verfahren, das gegen den Willen Mullis´ auch beim sog. HIV-Test zur Anwendung kommt]. Überall gab es irgendwelche Leute, die über HIV redeten. Ich fragte sie, wie es komme, daß wir wüßten, daß HIV die Ursache für AIDS sei. Jeder sagte etwas. Jeder hatte die Antwort zu Hause, im Büro, in irgendeiner Schublade. Sie wußten es alle, und sie wollten mir die Dokumente schicken, sobald sie Gelegenheit dazu hätten. Aber ich bekam niemals irgendwelche Dokumente.

... Endlich hatte ich die Gelegenheit, Dr. Montagnier nach der besagten Referenz zu fragen... Dies würde das letzte Mal sein, daß ich die Frage ohne Ärger stellen würde. Er antwortete mit dem Vorschlag: "Warum beziehst du dich nicht auf den C.D.C. Report?". "Ich habe ihn gelesen", sagte ich, "er adressiert nicht wirklich die Frage, ob HIV die wahrscheinliche Ursache für AIDS ist, oder?" Er stimmte mir zu. Es war verdammt irritierend. Wenn Montagnier die Antwort nicht wußte, verflucht noch mal, wer dann?

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Eines Nachts fuhr ich von Berkeley nach La Jolla und hörte im National Public Radio ein Interview mit Peter Duesberg, einen bekannten Virologen in Berkeley. Nun endlich verstand ich, warum ich so so viele Schwierigkeiten hatte, eine Referenz für den Zusammenhang HIV und AIDS zu finden. Es gab keine, sagte Duesberg.

Duesberg und Gallo waren Freunde gewesen. Sie hatten in derselben Abteilung des National Cancer Instituts gearbeitet. Von den vielen tausend Wissenschaftlern, die vergeblich versucht hatten, einem Virus eine kausale Rolle an der Krebsentstehung zuzuweisen, war Bob [Gallo] der einzige gewesen, der übereifrig genug war zu behaupten, daß er einen solchen Zusammenhang entdeckt hatte. Niemand beachtete ihn, weil alles was er zu bieten hatte, nur ein anekdotenhafter und sehr schwacher Zusammenhang zwischen Antikörpern und einem harmlosen Retrovirus war. ...

Trotz seines Mangels an wissenschaftlicher Klasse arbeitete sich Gallo die Machtstrukturen hoch ("worked his way up"). Für Duesberg - trotz seiner Brillianz - ging es abwärts ("worked his way down").

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