MKS - Schriftwechsel mit den Fachinstituten
Die Suche nach dem Erreger

Das RKI erklärte sich für unzuständig und verwies mich auf das
- Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin
sowie die
- Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere (in Riems).

Diese Institute erhielten von mir gleichlautend das folgende Email. Im Anschluß geht es dann getrennt weiter.

16.01.2002
Sehr geehrte Damen und Herren,

während der letztjährigen (kurzzeitigen) MKS-Hysterie behaupteten die Vertreter des Vereins "Medizin, Wissenschaft und Menschenrechte" (MuM), Dr. Stefan Lanka und Karl Krafeld, daß der MKS-Erreger nie nachgewiesen wurde. Diese Behauptung stand in eklatantem Widerspruch zu allen anderen Expertenmeinungen, die von "hoher Infektiosität" des MKS-Virus sprachen.

Dieser Widerspruch war für mich Grund genug, das Robert-Koch-Institut anzuschreiben, und um die entsprechenden Nachweise zu bitten. Als ich nach einer unbefriedigenden Auskunft "nachhakte", erklärte das RKI sich für unzuständig, und verwies mich (u.a.) an Ihr Institut.

Mir ist bewußt, daß Sie alle vielbeschäftigte Menschen sind. Aber ich denke meine Frage läßt sich schnell beantworten: Können Sie mir eine Publikation nennen, in welcher die Isolation und biochemische Charakterisierung des MKS-Virus dokumentiert ist? Falls auch Sie sich nicht zuständig fühlen sollten, bitte ich ebenfalls um kurze Mitteilung. Vielen Dank im voraus!

Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Faas

Antwort des Bundesinstitutes für gesundh. Verbraucherschutz und Veterinärmedizin:
17.01.2002
From: "Thomas Schlicht" t.schlicht@bgvv.de
Subject: Re: MKS - Virusnachweis

BgVV/Pressestelle
Thomas Schlicht

Sehr geehrter Herr Faas,

leider ist die vom RKI erteilte Auskunft auch nicht richtig. Das BgVV befasst sich mit Erkrankungen von Tieren nur dann, wenn diese Krankheit über das Lebensmittel für den Menschen gefährlich sein kann. Das ist bei MKS - obwohl die Literatur einige wenige Fälle beschreibt, in denen es zu Erkrankungen beim Menschen gekommen ist - nicht der Fall.

Es gibt in Deutschland ein nationales Referenzlabor für MKS. Dieses Labor ist bei der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (http://www.dainet.de/bfav/) angesiedelt. Wir gehen davon aus, dass diese Institution zu Ihren Fragen Stellung nehmen kann.

Wir bedauern, Ihnen nicht helfen zu können.

Mit freundlichem Gruß
Im Auftrag
T.Schlicht

Auf nähere Erläuterungen zu den "wenigen Erkrankungen beim Menschen" verzichte ich (jedenfalls vorläufig). Auch dieses Institut verweist also auf die Bundesforschungsanstalt. Und diese erklärt sich auch für zuständig (siehe folgendes Email).

Antwort der Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere (BFAV):
17.01.2002
From: mettenl@rie.bfav.de
CC [Kopie an]: haas@tue.bfav.de
Subject: Re: MKS - Virusnachweis

Sehr geehrter Herr Faas,

in der Tat sind wir fuer MKS die 'zustaendige' Einrichtung. Der MKS-Erreger ist nicht nur eindeutig nachgewiesen (da gibt es eine Unmenge von Literatur), sondern auch in seiner molekularen Struktur exakt bekannt (Roentgenkristallanalyse). Letzteres ist in der Zeitschrift 'nature' bereits im Heft 337, vom 23. Februar 1989, erschienen. Das Virus zierte damals auch das Titelblatt. Im Zuge der MKS-Epidemie in Grossbritannien wurde das MKS-Virus isoliert, charakterisiert und das genetische Material (Ribonukleinsäure) zumindest teilweise sequenziert. Also auch hier ist die Beweisfuehrung absolut eindeutig.

Mit freundlichen Gruessen,
Thomas C. Mettenleiter

Meine erneute Rückfrage:
27.01.2002
An: BFAV
mettenl@rie.bfav.de

Sehr geehrter Herr Mettenleiter,

(siehe Ihr Email vom 17.01.2002 als Zitat angehängt)
das klingt sehr eindrucksvoll und mag auch richtig sein, aber meine eigentliche Frage haben Sie m.E. noch nicht beantwortet. Die Röntgenkristallanalyse in "Nature" kann ja den Virusnachweis (Isolation) nicht ersetzen, sondern nur ergänzen, oder sehen Sie das anders? Die "Unmenge von Literatur" glaube ich Ihnen gerne, aber ich wollte ja nur eine einzige Publikation benannt wissen, die wirklich die Isolation des Erregers (mit Foto) und seiner biochemische Charakterisierung enthält. Wenn es wirklich so viel Literatur gibt, sollte Ihnen das umso weniger Mühe machen (?).

Dasselbe gilt für die Nachweise, die laut Ihren Worten im Zuge der Epidemie in GB erfolgt sind - auch hier benennen Sie keine Originalpublikation. Wäre es möglich, dies noch nachzuholen?

Für Ihre Bemühungen bedanke ich mich voraus, mit besten Grüßen

Juergen Faas

Antwort diesmal vom Leiter des MKS-Referenzlabors (der BFAV):
29.01. 2002
From: Bernd Haas
An: juerggie@heilbronn.netsurf.de
Subject: MKS-Literatur

Sehr geehrter Herr Faas,

das Wissen über die MKS ist in Hunderten von Publikationen niedergelegt.

Wenn Sie unter http://www4.ncbi.nlm.nih.gov/PubMed/ das Suchwort „FMDV“ eingeben finden Sie über 700 Publikationen. Von vielen dieser Publikationen können Sie sich dort die Zusammenfassung ausdrucken lassen. Es gibt aber keine Originalpublikation, die alle wichtigen Aspekte der Isolierung und Charakterisierung des Virus enthält.

Eine gute Auswahl des wichtigsten Originalarbeiten findet sich im offiziellen Handbuch des Internationalen Tierseuchenamtes. Das MKS-Kapitel mit allen Methodenbeschreibungen finden Sie unter: http://www.OIE.int/eng/publicat/Rapports/a_FMD%20Bruxelles.pdf">. Da es jedoch beim Extrahieren des Textes u.U. technische Probleme gibt, habe ich die Liste aus dem Handbuch (Hardcopy) einscannen lassen.

Sie finden sie zusammen mit weiteren Informationen in der Anlage als Word Dokument

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bernd Haas
Leiter MKS-Referenzlabor an der BFAV

Ob der Schriftwechsel nach diesem Eingeständnis weitergeführt wird, ist noch nicht entschieden. (Stand: 14.02.2002)



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