"AIDS" - Dichtung und Wahrheit (I)

von Prof. Peter Duesberg (Übersetzung: Christopher Baker, München)

"It´s too late to correct," said the Red Queen. "When you´ve once said a thing, that fixes it, and you must take the consequences" (Alice im Spiegelreich, Lewis Carroll)


1. Die Virus-AIDS-Hypothese ist nicht imstande, die Epidemiologie und Pathologie von AIDS vorherzusagen

Anläßlich einer Pressekonferenz im April 1984 hat der amerikanische Staatssekretär für Gesundheit und Sozialdienste erklärt, daß das erworbene Immundefizienzsyndrom (AIDS) eine Infektionskrankheit sei, welche durch einen durch Geschlechtsverkehr und auf parenteralem Weg übertragenen Retrovirus verursacht wird, den man inzwischen als "human immunodeficiency virus" (HIV) bezeichnet. Zum Zeitpunkt dieser Ankündigung ging man zugleich von der Entwicklung eines antiviralen Impfstoffes innerhalb von zwei Jahren aus (Connor, 1987; Adams, 1989; Farber, 1992; Hodgkinson, 1992).

Hinsichtlich ihres Nutzens für die öffentliche Gesundheit hat sich diese Hypothese allerdings als gänzlich wertlos erwiesen. Trotz eines noch nie dagewesenen Aufwands im Bereich der Forschung und des Gesundheitswesens ist es auf der Grundlage dieser Hypothese bislang weder gelungen, den versprochenen Impfstoff, noch eine Heilung zu entwickeln (Thompson, 1990; Savitz, 1991; Duesberg, 1992b; Waldholz, 1992).

Jährlich 4 Milliarden Dollar für AIDS

Allein die amerikanische Regierung gibt jährlich eine Milliarde Dollar für die AIDS-Forschung und weitere drei Milliarden für die AIDS-bezogene Gesundheitspflege aus (National Center for Health Statistics, 1992). Die Situation ist in der Tat so verzweifelt daß der Direktor der Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH, National Institutes of Health), acht Jahre, nachdem HIV als Ursache von AIDS proklamiert wurde, die Verbreitung einer bislang noch nicht überarbeiteten Arbeit auf dem Wege von Pressemitteilungen fördert, welche inhaltlich nicht mehr zu bieten hat als die erneuten Bemühungen, AIDS bei Affen hervorzurufen. In jener Arbeit heißt es unter anderem: "Die bestmögliche Situation wäre, wenn wir einen Humanvirus (HIV) hätten, mit dem die Ansteckung von Affen gelingt" (Steinbrook, 1992). Diese Aussage wird wohlgemerkt neun Jahre nach den ersten Versuchen der NIH, Schimpansen mit HIV zu infizieren - über 150 Tiere, bei Kosten von jeweils $ 40.000 bis $ 50.000 pro Tier - immer noch aufrechterhalten, wobei es interessieren dürfte, daß alle diese Tiere gesund geblieben sind (Hilts, 1992; Steinbrook, 1992) (Abschnitt 3.3, und nach einer persönlichen Mitteilung von Jorg Eichberg).

Falscher Alarm

Des weiteren hat die Virus-AIDS-Hypothese bei der Vorhersage der Ausbreitung der Epidemie völlig versagt (Institute of Medicine, 1988; Duesberg, 1989c, 1991a; Duesberg und Ellison, 1990; Thompson 1990; Savitz, 1991). Die NIH und andere Quellen haben eine "explosionsartige Zunahme" der AIDS-Fälle unter der allgemeinen Bevölkerung vorausgesagt (Shorter, 1987; Anderson und May, 1992) und die "Global AIDS Policy Coalition" am International AIDS Center von Harvard hat im Juni 1992 die folgende Erklärung: "Die Pandemie ist dynamisch, unbeständig und instabil...eine Explosion der HIV-Erkrankungen ist kürzlich in Südostasien, in Thailand verzeichnet worden..."(Man and the Global AIDS Policy Coalition, 1992). Aber trotz der weitverbreiteten Alarmmeldungen ist die "allgemeine Bevölkerung" von AIDS verschont geblieben, obwohl ein allgemeiner Anstieg unerwünschter Schwangerschaften und der herkömmlichen Geschlechtskrankheiten zu verzeichnen sind (Institute of Medicine, 1988; Aral und Holmes, 1991). Stattdessen gab es im Verlauf der letzten 10 Jahre einen kontinuierlichen und fast ausschließlichen Anstieg der amerikanischen und europäischen Formen von AIDS unter den intravenösen Drogenkonsumenten und den männlichen Homosexuellen die einen massiven Gebrauch von aphrodisierenden Mitteln und Hunderte von Partnern hatten (Abschnitte 2.1.3, 3.3.4 und 4.3.2).

Die Hypothese versagt sogar bei der Vorhersage, welche AIDS-Krankheiten ein infiziertess Individumm wahrscheinlich entwickeln wird, und ob und wann ein mit HIV infizierter Mensch an Durchfall oder Demenz, Kaposi-Sarkom oder Pneumonie, erkrankt (Grimshaw, 1987; Albonico, 1991a, b). Darüber hinaus bleibt diese Hypothese die Erklärung schuldig, warum die jährlichen AIDS-Risiken über das Hundertfache schwanken zwischen den unterschiedlichen HIV-infizierten Risikogruppen wie den Empfängern von Transfusionen, Kinder von drogensüchtigen Müttern amerikanischen/europäischen Homosexuellen, intravenösen Drogenkonsumenten, Blutern und Afrikanern (Abschnitt 3.4.4).

Natürlich kann man nicht davon ausgehen, daß eine korrelierende Hypothese zwingend zu einer wirksamen Heilung oder Vorbeugung einer Krankheit führen muß, wie im Falle der verschiedenen Krebstheorien oder einer Krankheit wie die Sichelzellenanämie zum Beispiel. Von einer korrekten medizinischen Hypothese können wir jedoch sehr wohl erwarten, daß sie (1) die Personen mit einem besonderen Erkrankungsrisiko erkennt, (2) die Art der Erkrankung voraussagt, an die eine infizierte, oder durch die vermeintliche Ursache betroffene Person erkranken wird, (3) den Zeitraum vorhersagt, in welchem die Krankheit auf die vermeintliche Ursache folgt, und schließlich (4) zu einer Definition dessen führt, wie die vermeintliche Ursache die Krankheit hervorruft. Da die AIDS-Virus-Hypothese in allen diesen Punkten versagt, muß diese Hypothese grundlegende Fehler enthalten. In Anbetracht der Tatsache, daß HIV die Bildung von außerordentlich wirksamen virus-neutralisierenden Antikörpern innerhalb von Wochen nach erfolgter Infektion induziert (Clark et al., 1991), ist es besonders bemerkenswert, daß die Entwicklung eines AIDS-Impfstoffes bislang nicht gelungen ist. Dies sind dieselben Antikörper, die durch den weitverbreiteten AIDS-Test festgestellt werden (Institute of Medicine, 1986; Duesberg, 1989c; Rubinstein, 1990).

In Anbetracht dieser Sachlage wollen wir im nachfolgenden das, was als AIDS bezeichnet wird, einer kritischen Analyse unterziehen, um eine Ursache zu finden, die eine korrekte Voraussage der Epidemiologie, Pathologie und Progression von AIDS gestattet.

2. Die Definition von AIDS
2.1. AIDS: 2 Epidemien, Sub-Epidemien und 25 epidemiespezifische Krankheiten

AIDS umfaßt 25 bereits bekannte Krankheiten und zwei verschiedene AIDS-Epidemien, die sich in klinischer und epidemiologischer Hinsicht sehr stark unterscheiden, wobei einer dieser Epidemien in den Vereinigten Staaten und Europa, und eine in Afrika zu verzeichnen ist (Tabelle 1) (Centers for Disease Control, 1987; Institute of Medicine, 1988; Weltgesundheitsorganisation, 1992a). Die amerikanische/europäische Epidemie unterteilt sich in vier Sub-Epidemien, die der männlichen Homosexuellen, der intravenösen Drogenkonsumenten, der Bluter und der Transfusionsempfänger (siehe Tabelle 1).

2.1.1 Ein Profil der Epidemien nach Anzahl der Fälle, Geschlecht und Alter

Die amerikanischen/europäischen AIDS-Epidemien unter Homosexuellen und intravenösen Drogenkonsumenten sind neu und begannen im Jahr 1981 mit homosexuellen AIDS-Patienten in Los Angeles und New York, die ebenfalls starke Drogenkonsumenten waren (Centers for Disease Control, 1981; Gottlieb et al. 1981; Jaffe et al., 1983a). Bis Dezember 1991 wurden insgesamt 206.392 AIDS-Fälle in den Vereinigten Staaten und 65.979 Fälle in Europa gemeldet (Tabelle 1) (Weltgesundheitsorganisation, 1992a, Centers for Disease Control, 1992b). Seit dem Jahr 1987 werden jährlich etwa 30.000 - 40.000 neue Fälle aus den Vereinigten Staaten und 12.000 bis 16.000 Fälle aus Europa gemeldet (Weltgesundheitsorganisation, 1992a; Centers for Disease Control, 1992B). Bemerkenswert für eine vermeintliche Infektionskrankheit ist, daß es sich bei 90% aller amerikanischen und 86% aller europäischen AIDS-Patienten um Männer handelt.

Fast alle amerikanischen (98%) und europäischen (96%) AIDS-Patienten sind über 20 Jahre alt; bei den verbleibenden 2% und 4% handelt es sich überwiegend um Säuglinge (Tabelle 1) (Weltgesundheitsorganisation, 1992a; Centers for Disease Control, 1992b). AIDS tritt sehr selten im Teenageralter auf, da in den letzten zehn Jahren nur 789 solche Fälle in Amerika registriert wurden, einschließlich 160 Fälle im Jahr 1991 und 170 Fälle im Jahr 1990 (Centers for Disease Control, 1992b).

Seit dem Jahr 1985 sind in Afrika 129.066 AIDS-Fälle erfaßt worden (Weltgesundheitsorganisation 1992b) und zwar hauptsächlich unter der zentralafrikanischen Bevölkerung (Blattner, 1991). Im Gegensatz zu den Fällen in den Vereinigten Staaten und in Europa sind die afrikanischen AIDS-Fälle gleichmäßig zwischen den Geschlechtern verteilt (Quinn et al., 1985; Blattner et al., 1988; Institute of Medicine, 1988; Piot et al., Goodgame, 1990) und erstrecken ich über die Altersgruppen von "8 bis 85 Jahren" (Widy-Wirski et al., 1988).

Eine AIDS-Krise, die seit dem Jahr 1990 eine "ernste" Gefahr für Thailand darstellt, und deren "explosionsartiger Ausbruch" um gegenwärtigen Zeitpunkt prognostiziert worden war (Mann and the Global AIDS Policy Coalition, 1992) hat ganze 123 AIDS-Patienten zwischen 1984 und Juni 1991 hervorgebracht (Weniger et al., 1991).

2.1.2 Die AIDS-Krankheiten

Die Mehrzahl der amerikanischen (62%) und der europäischen (75%) AIDS-Patienten leiden an durch Mikroben verursachte Krankheiten oder an opportunistischen Infektionen, die Folge einer bereits früher erworbenen Immunschwäche sind (Weltgesundheitsorganisation, 1992a; Centers for Disease Control, 1992b). In den Vereinigten Staaten gehören hierzu die Pneumocystis-Pneumonie (50%), Candidiasis (17%) und mykobakterielle Infektionen wie Tuberkulose (11%), Toxoplasmose (5%), Zytomegalievirus (8%) und Herpesviruserkrankungen (4%) (Tabelle 1) (Centers for Disease Control, 1992b). Die Pneumocystis Pneumonie wird häufig als eine AIDS-spezifische Pneumonie beschrieben. Pneumocystis carinii ist ein ubiquitärer pilzartiger Parasit (meist den Protozoen zugerechnet), der sich bei allen Menschen nachweisen läßt und wie viele andere Erreger bei Immunschwäche aktiv werden kann (Freeman, 1979; Pifer, 1984; Williford Pifer et al., 1988; Root-Bernstein, 1990a). Da bakterielle Erreger wie der Tuberkulosebazillus oder Pneumokokken, die opportunistische Infektionen bei Immunschwäche verursachen auf eine Antibiotikatherapie ohne weiteres ansprechen, finden wir ein Vorherrschen von durch Pilzerreger und Viren verursachte Lungenentzündungen in jenen Ländern, in denen Antibiotika ohne weiteres verfügbar sind. Dies ist besonders bei jenen Risikogruppen der Fall, die einen Langzeitgebrauch von Antibiotika als AIDS-Prophylaxe machen (Callen, 1990; Bardach, 1992). Es ist auffallend, daß es bei allen jungen Ratten, die einige Wochen lang mit Antibiotika und dem immunsuppressiven Kortison behandelt wurden, zum spontanen Auftreten von Pneumocystis carinii-Pneumonien kommt (Weller, 1955).

Ganz im Gegensatz zur Bedeutung der Krankheitsbezeichnung sind die AIDS-Erkrankungen vieler amerikanischer (38%) und europäischer Patienten nicht die Folge von Immunschwäche und Mikroben (Abschnitt 3.5.8). Stattdessen leiden diese Patienten an Demenz (6%/5%), "Wasting Disease" (Schwundkrankheit; 19%/5%), Kaposi-Sarkom (10%/12%) und Lymphoma (3%/3%) (Tabelle 1) (Colebunders et al., 1987; Konotey-Ahulu, 1987; Pallangyo et al., 1987; Berkley et al., 1989; Evans, 1989a; Goodgame, 1990; De Cock et al., 1991; Gilks, 1991). Nur 1% enfallen auf das Kaposi-Sarkom (Widy-Wirsky et al., 1988). Die afrikanische AIDS-Definition fußt also hauptsächlich auf diesen für Afrika spezifischen Krankheiten (Widy-Wirsky et al., 1988) "augrund der eingeschränkten diagnostischen Möglichkeiten HIV-Infektionen festzustellen" (De Cock et al.,1991).

2.1.3 AID-Risikogruppen und risikogruppenspezifische AIDS-Krankheiten

Fast alle amerikanischen (97%) und europäsichen (87%) AIDS-Patienten rekrutieren sich aus abnormen Risikogruppen, in denen schwere gesundheitliche Schäden bereits vor dem Auftreten von AIDS bestanden haben: 62% der amerikanischen (und 47% der europäischen) AIDS-Patienten sind Homosexuelle, die einen häufigen Gebrauch von oralen aphrodisierenden Drogen und Medikamenten gemacht haben (Abschnitt ), 32% (33%) sind intravenöse Drogenkonsumenten, 2% (3%) sind Transfusionsempfänger mit einem kritischen gesundheitlichen Zustand und bei 1% (3%) handelt es sich um Bluter (Institute of Medicine, 1988; Brenner et al., 1990; Centers for Disease Control, 1992b; Weltgesundheitsorganisation, 1992a). Ungefähr 38% der amerikanischen AIDS-Fälle im Teenageralter betreffen Bluter und Transfusionsempfänger, 25% sind intravenöse Drogenkonsumenten oder Geschlechtspartner von intravenösen Drogenkonsumenten, und weitere 25% sind Homosexuelle (Centers for Disease Control). Etwa 70% der amerikanischen Säuglinge mit AIDS sind die Kinder von drogensüchtigen Müttern (sogenannte "Crack Babies") und 13% dieser Kinder weisen angeborene Defekte wie Hämophilie auf (Centers for Disease Control, 1992b). Nur 3% der amerikanischen und 13% der europäischen AIDS-Patienten sind "unbestimmten Expositionsgruppen", d.h. der allgemeinen Beölkerung zuzuordnen (Tabelle 1) (Weltgesundheitsorganisation 1992a; Centers for Disease Control, 1992b). Einige der Unterschiede zwichen den europäischen und den amerikanischen Statistiken sind möglicherweise Ausdruck unterschiedlichener nationaler AIDS-Kriterien zwischen verschiedenen europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten, sowie Unterschiede im Berichtswesen zwischen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und den amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) (Weltgesundheitsorganisation 1992a). Im Gegensatz zu den amerikanischen und europäischen AIDS-Epidemien, stammen die Opfer des afrikanischen AIDS überwiegend nicht aus den verhaltensbedingten oder klinischen Randgruppen.

In den AIDS-Epidemien der verschiedenen Risikogruppen lassen sich außerordentlich charakteristische, länderspezifische und sub-epidemiespezifische AIDS-Krankheiten erkennen:

(1) Ungefähr 90% der AIDS-Krankheiten, die aus Afrika gemeldet werden, sind Krankheiten, die dort bereits seit geraumer Zeit vorkommen und sich sehr stark von den Krankheiten unterscheiden, die der amerikanischen/europäischen Epidemie zugerechnet werden (Abschnitt 2.1.2). Unter den afrikanischen Krankheiten fehlen die Pneumocystis-Pneumonie und Candidiasis (Goodgame, 1990), obwohl Pneumocystis carinii und Candida als ubiquitäre Mikroben unter der Gesamtbevölkerung der Erde zu finden sind, einschließlich der afrikanischen Bevölkerung (Freeman, 1979; Pifer, 1984).

(2) Die amerikanische/europäische Epidemie gliedert sich in mehrere Sub-Epidemien, die auf entsprechenden sub-epidemiespezifischen Krankheiten beruhen:
a) Unter amerikanischen Homosexuellen tritt das Kaposi-Sarkom 20 mal häufiger auf als bei allen anderen amerikanischen AIDS-Patienten (Selik et al., 1987; Beral et al., 1990).
b) Intravenöse Drogenkonsumenten zeigen eine Prädisposition für Tuberkulose (Abschnitte 4.5 und 4.6).
c) "Crack" (Kokain-)Raucher erkanken sehr häufig an Pneumonien und Tuberkulose (Abschnitte 3.4.5 und 4.6).
d) 99% aller Bluter mit AIDS weisen opportunistische Infektionen auf, wovon etwa 70% auf pilz- oder virusbedingte Pneumonien entfallen. Bei nur 1% dieser Patientengruppe tritt das Kaposi-Sarkom auf (Evatt et al., 1984; Centers for Disease Control, 1986; Selik et al., 1987; Körper, 1989).
e) Fast alle Transfusionsempfänger erkranken an Pneumonien (Curran et al., 1984; Selik et al., 1987).
f) Bei den HIV-positiven Frauen von Blutern treten nur Pneumonien und einige wenige opportunistische Infektionen auf, die als AIDS-Indikatoren gelten (Abschnitt 3.4.4.5).
g) Unter den amerikanischen Säuglingen finden sich ausschließlich bakterielle Krankheiten (18%) sowie eine hohe Demenzrate (14%) gegenüber Erwachsenen (6%) (Tabelle 1) (Centers for Disease Control, 1992b).
h) Personen, die den zytotoxischen DNS-Kettenterminator AZT einnehmen, der zur Hemmung der HIV-Aktivität verordnet wird, erkranken an Anämie, Leukopenie und Übelkeit (Abschnitt 4.6.1).

(3) Die in Thailand erfaßte Mini-Epidemie von 123 Personen setzt sich zusammen aus intravenösen Drogenkonsumenten (20%), heterosexuellen weiblichen und männlichen "Sexarbeitern" (50%), und Homosexuellen (30%). Unter den thailändischen Fällen leiden 24% der Patienten an Tuberkulose, 22% an Pneumonien und anderen in Thailand häufig auftretenden opportunistischen Infektionen und weitere 10% an Septikämie, ein Indikator für intravenösen Drogenkonsum (Weniger et al., 1991).

2.2. Die HIV-AIDS-Hypothese - oder die Definition von AIDS

Aufgrund der epidemiologischen Daten, die zwischen den Jahren 1981 und 1983 gesammelt wurden sind die AIDS-Forscher der CDC (Centers for Disease Control, 1986) zu dem Schluß gekommen, daß "die Schwulenkultur" - besonders in ihren "extremen" und "gesellschaftlichen Normen entgegengesetzten" Aspekten (dies bezieht sich auf Promiskuität und Drogenkonsum) - den entscheidenden Hinweis für die Ursache des neuen Syndroms liefert." (Oppenheimer, 1992). Dementsprechend haben die CDCzunächst eine auf Faktoren der "Lebensweise" fußende AIDS-Hypothese favorisiert.

Bis zum Jahr 1983 wurde die Immunschwäche ebenfalls bei Blutern, einigen Frauen und intravenösen Drogenkonsumenten festgestellt. Aufgrund dieser Entwicklung ist die CDC von einer "Hepatitis B Analogie" ausgegangen (Oppeneimer, 1992) und haben AIDS als eine neue Viruskrankheit interpretiert, welche durch Geschlechtsverkehr und parenteral durch Blutkonserven und gemeinsam benütztes Injektionsbesteck beim Konsum intravenöser Drogen übertragen wird (Francis et al., 1983; Jaffe et al., 1983b; Centers for Disease Control, 1986; Oppenheimer, 1992).

Im April 1984 haben der amerikanische Staatsekretär für Gesundheit und Sozialdienste und der Virologe Robert Gallo die Entdeckung des neuen AIDS-Virus anläßlich einer dafüür einberufenen Pressekonferenz proklamiert. Diese Entdeckung wurde verkündet, und ein Testverfahren - als "AIDS-Test" bezeicnet - zum Nachweis der gegen das Virus gebildete Antikörper wurde als Patent registriert, noch ehe eine einzige amerikanische Studie übüer diesen Virus zur Veröffentlichung gelangt war (Conner, 1987; Adams, 1989; Crewdson, 1989; Culliton, 1990; Rubinstein, 1990). Seit jener Zeit ssind die Mehrzahl der medizinischen Wissenschaftler davon ausgegangen, daß es sich bei AIDS um eine ansteckende Krankheit handelt, die sich durch die Übertragung von HIV ausbreitet.

Der Virus-AIDS-Hypothese zufolge sind 25 verschiedene AIDS-Krankheiten und die sehr stark voneinander abweichenden AIDS-Epidemien und Sub-Epidemien alle auf eine einzige gemeinsame Ursache zurückzuführen, dem HIV. Es gibt zwei HIV-Linien, die zu 50% miteinander verwandt sind, nämlich HIV-1 und HIV-2. Bis heute gibt es jedoch nur einen einzigen, in Amerika geborenen und mit HIV-2 infizierten AIDS-Patienten (0´Brien et al., 1992). Da fast alle HIV-positiven AIDS-Fälle, die bis heute registriert wurden, mit HIV-1 infiziert wurden, mit HIV-1 infiziert wurden, werden wir diese Linie im weiteren einfach als HIV bezeichnen. Die HIV-AIDS-Hypothese legt folgende Behauptungen vor:
a) HIV ist ein durch Geschlechtsverkehr und auf parenteralem und perinatalem Wege übertragenen Virus;
b) HIV verursacht Immunschwäche durch die Vernichtung von T-Lymphozyten, jedoch im Durchschnitt erst 10 Jahre nach erfolgter Infektion bei Erwachsenen und zwei Jahre nach Infektion bei Säuglingen - Zeiträume, die als "HIV-Latenzzeit" bezeichnet werden, da man bei AIDS von einer Reaktivierung des Virus ausgeht;
c) schließlich besagt die Hypothese, daß alle AIDS-Krankheiten die Folgen der virusinduzierten Immunschwäche sind (Coffin et al., 1986; Institute of Medicine, 1986, 1988; Gallo, 1987; Blattner et al., 1988; Gallo und Montagnier, 1988; Lemp et al., 1990; Weiss und Jaffe, 1990; Blattner, 1991; Goudsmit, 1992).

Aufgrund dieser Annahmen sind 25 bereits bekannte Krankheiten, die teilweise in in keinerlei Zusammenhang miteinander stehen, als AIDS neu definiert worden, vorausgesetzt die genannten Krankheiten treten in Verbindung mit HIV auf. Aufgrund einer chronischen Inaktivität, die auch bei AIDS-Patienten vorliegt, kann HIV in der Praxis lediglich durch die Existenz von antiviralen Antikörpern nachgewiesen werden (Abschnitt 3.3). Diese Antikörper werden mit Hilfe von speziell aufbereiteten HIV nachgewiesen, ein Verfahren, das inzwischen einfach als der "AIDS-Test" bezeichnet wird (Institute of Medicine, 1986; Rubinstein, 1990). Die Isolierung des Virus selbst ist ein außerordentlich ineffizienter und kostspieliger Vorgang, wobei der inaktive Virus aus Leukozyten aktiviert werden soll. Das Gelingen des Verfahrens hängt von der Aktivierung eines einzigen, latenten HIV aus ungefähr 5 Millionen Leukozyten bei einem antikörper-positiven Individuum ab. Zu diesem Zweck müssen die Zellen in vitro und frei von der virus-suppressiven Aktivität des Immunsystems des betreffenden Menschen vermehrt werden. Der Virus läßt sich einige Wochen später im Medium der Zellkultur nachweisen (Weiss et al., 1988; Duesberg, 1989c).

Ursprünglich wurde behauptet, daß gegen HIV gebildete Antikörper bei der Mehrzahl der AIDS-Patienten (88%) vorhanden sind (Sarngadharan et al., 1984). In der Zwichenzeit konnte dies nur bei etwa 50% der amerikanischen AIDS-Patienten bestätigt werden (Institute of Medicine, 1988; Selik et al., 1990). Der übrige Anteil wird vermutlich aufgrund der von den CDC aufgestellten Krankheitkriterien diagnostiziert (Centers for Disease Control, 1987; Institute of Medicine, 1988). Aufgrund von gesetzlichen Bestimmungen zur Wahrung des Datenschutzes kann man davon ausgehen, daß wesentlich mehr Tests durchgeführt werden als den CDC gemeldet werden.

Seit der sogenannte "AIDS-Test" im Jahr 1985 zur Verfügung stand, wurden allein in den Vereinigten Staaten über 20 Millionen Tests jährlich an Blutspendern, Militärpersonal und Rekruten, AIDS-Patienten und vielen anderen Personen durchgeführt. Darüber hinaus wurden Millionen weitere Tests in Europa, Rußland, Afrika und anderen Ländern durchgeführt (Abschnitt 3.6). Auf der Grundlage dieser weltumspannenden Testaktivitäten, zweifelsohne die umfassendsten ihrer Art in der Geschichte der Virologie, gelangte man zu folgenden geschätzten Anteilen der Träger von HIV-Antikörpern:
        etwa 1 Million oder 0,4% der überwiegenden gesunden amerikanischen Bevölkerung (Curran et al., 1985; Institute of Medicine, 1988; Duesberg, 1991a; Vermund, 1991; Centers for Disease Control 1992a),
        0,5 Millionen oder 0,2% der westeuropäischen Bevölkerung (Mann et al., 1988; Blattner, 1991; Weltgesundheitsorganisation, 1992a),
        6 Millionen oder 10% der überwiegend gesunden Zentralafrikaner (Curran et al., 1985; Institute of Medicine, 1988; Piot et al., 1988; Goodgame, 1990; Blattner, 1991; Anderson und May, 1992),
        sowie 300.000 oder 0,5% der gesunden thailändischen Bevölkerung (Weniger et al., 1991). Den CDC zufolge ist von einem "relativ hohen" Vorkommen von HIV-2 in Westafrika auszugehen mit einer dokumentierten Höchstrate von 9% in einer Gemeinde, jedoch einem "außerordentlich niedrigen" in den Vereinigten Staaten, wo keine einzige Infektion unter 31.603 Blutspendern festgestellt wurde (O´Brien et al., 1992).

2.3. Alternative AIDS-Infektionstheorien

In Anbetracht der Heterogenität der AIDS-Krankheiten und der Probleme, sie auf einen gemeinsamen, aktiven Erreger zurückzuführen, haben eine Reihe von Forschern vorgeschlagen, daß AIDS durch eine Vielzahl von Infektionserregern wie Viren und Mikroben, oder Verbindungen von HIV mit anderen Mikroben verursacht wird (Sonnabend et al., 1983; Konotey-Ahulu, 1987, 1989; Stewart, 1989; Cotton; Goldsmith, 1990; Lemaitre et al., 1990; Root-Bernstein, 1990c; Balter 1991; Lo et al., 1991).

Den Vertretern von AIDS als Infektionskrankheit, die HIV als die alleinige Ursache ablehnen, oder als einen von mehreren Ursachen von AIDS sehen, ist es noch nicht gelungen, eine schlüssige, durchgängige Alternative oder einen Kofaktor zum HIV zu etablieren. Stattdessen werden meist weitverbreitete Viren und Mikroben, die entweder harmlos sind oder ein gesundes Immunsystem nicht ernsthaft gefährden, als verursachende Erreger ausgemacht. Hierzu gehören Pneumocytis carinii, der Zytomegalie-Virus, der Herpes Virus, der Hepatitis Virus, der Tuberkulose-Bazillus, Candida, Mykoplasma, Treponema, Gonokokken, Toxoplasma und Cryptosporidium (Abschnitt 3.5.7) (Freeman, 1979; Mims und White 1984; Pifer, 1984; Evan, 1989c; Mills und Masur, 1990; Bardach, 1992). Da diese Erreger meist eine größere Aktivität bei AIDS-Patienten als bei anderen Personen entfalten wird argumentiert, daß entweder chronische oder wiederholte Infektionen mit diesen Erregern die tödlich verlaufende AIDS-Krankheit hervorrufen (Sonnabend et al., 1983; Stewart, 1989; Mill und Masur, 1990; Root-Bernstein, 1990a,c).

Alle diese Erreger treten jedoch in Form von chronischen oder wiederholten Infektionen bei Personen mit normalen Immunfunktionen auf, ohne AIDS hervorzurufen (Freeman, 1979; Mims und White, 1984; Evans, 1989c; Mills und Masur, 1990). Daraus folgt, daß die Pathogenität dieser Mikroben bei AIDS-Patienten die Folge einer durch andere Ursachen erworbenen Immunschwäche darstellt (Duesberg, 1990c, 1991a). Aus diesem Grund werden die meisten dieser Infektionen als opportunistisch bezeichnet.


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