A.I.D.S.

von Dr. Michel Henrard
Französischer Orginaltext
Englische Übersetzung (= Vorlage für meine Übersetzung)

Mit dem "erworbenen Immunschwäche-Syndrom" nähern wir uns dem Gipfel der medizinwissenschaftlichen Phantasmagorie. Gipfel der Zusammenhanglosigkeit, die erzwungenermaßen immer wieder neuen aufgepfropften Zusätzen unterworfen ist (Virusmutationen, verschwommene Co-Faktoren etc.), Gipfel in der Reihe von Publikationen, deren Fülle nur noch mit ihrer Unfruchtbarkeit vergleichbar ist, Gipfel in der Kunst, die Ängste am Leben zu halten, deren Echo in der allgegenwärtigen Medienlandschaft widerhallt. Die präventive Information hat sogar einen Geschmack von Propaganda, wohlbegründet im Geiste dieses neuen gelben Sterns am Ende dieses Jahrhunderts. Glücklicherweise bleibt das eindrucksvolle Zeugnis der Langzeitüberlebenden (ein Begriff, der solange weiterleben wird wie das Dogma selbst!), und die zunehmende Zahl von AIDS-kritischen Forschern erhalten, ebenso wie die Hoffnung auf eine Demystifikation mit den Mitteln der Medien.

Falls sich ein Leser diesem Thema vertieft zuwenden möchte, kann er gern das entsprechende Kapitel im Booklet von 1992 (auf französisch! Englische Übersetzung hier) lesen, da wir an dieser Stelle nur die groben Umrisse aufzeichen werden. Was A.I.D.S. genannt wird, ist genau genommen keine Krankheit, sondern ein Cocktail von altbekannten Krankheiten, deren Erklärung ausschließlich in einer Schwächung unseres Immunsystems besteht. Ein System, das wir schon im Rahmen der 4. biologischen Gesetzmäßigkeit [Übersetzung steht noch aus] besprochen haben, und dem wir im nächsten Kapitel wiederbegegnen werden.

Wenn wir die biologischen Gesetzmäßigkeiten in Rechnung stellen, sollte ein Basiskonflikt von allen Folgekonflikten unterschieden werden. Der Basiskonflikt findet sich in den Antworten auf Fragen wie den folgenden: Was ist der Einfluß des "Psychismus" eines Individuums, wenn es erfährt, daß es seropositiv [HIV+] ist? Wer findet sich zum Tode verurteilt, ohne einen wirklichen Grund dafür zu erfahren? Wer kann sogar andere Personen in dieses Schicksal führen? Wer muß die natürliche und spontane Übung von intimen Beziehungen aufgeben? Wer wird ständig medikamentös behandelt, wer wird von der Gesellschaft an den Rand gedrängt?

ER ist der einzige, der diese Fragen wirklich beantworten kann, aber wenn man Seropositiven zuhört, kommt doch ein mehr oder weniger deutlich ausgedrückter Distress zum Vorschein. Ein Distress, der inerhalb der Vielfalt der möglichen Reaktionen in jeweiligen Fall pendelt, zwischen einem verzweifelten inneren Rückzug und einer offenbaren Ergebenheit, verbunden jedoch mit dem Gefühl, ein Damoklesschwert über dem Kopf hängen zu haben (was wir einen Konflikt in Balance nennen werden, der bereit ist, beim geringsten Anlaß wieder aktiv zu werden). Anstatt über einen spezifischen Konflikt sollte man lieber über eine Erfahrung sprechen, die verschiedene Farben annehmen kann: sich herabgesetzt, begrenzt, behindert, unstruktuiert (Selbstwerteinbruch) zu fühlen; weiters das Gefühl, verseucht zu sein, befleckt, beschmutzt (Konflikt einer Attacke gegen die Integrität); Angsterfahrungen, Unsicherheit, Drohung (Angstkonflikt); Erfahrungen von Zurückweisung, Isolation (Trennungskonflikt). Die Entwicklung folgt auch dann der Eisernen Regel, die es ermöglicht, das Auftauchen von Krankheiten und ihrer Symptome zu entschlüsseln. Der Teufelskreis und besonders der iatrogene [ärztlich verursachte] Einfluß sind mehr denn je gegenwärtig, denn wenn ein Seropositiver die seinem Konflikt folgenden Krankheiten durchlebt (ebenso wie ein Seronegativer), dann sind diese Krankheiten eine mögliche Ursache für weitere Konflikte.

Und der stets unerklärbare Übergang von simpler Seropositivität in das Auftreten der "Krankheit" beruht meistens auf dem Erlebnis der Diagnose: nach Monaten oder Jahren von recht leichtfertig festgestellter Seropositivität mag jemand durch einen Konflikt gehen, der sich im gesamten Körper widerspiegelt, entsprechend den biologischen Gesetzmäßigkeiten. Wenn die Beziehung zwischen diesen Symptomen und der Seropositivität von der Wissenschaft etabliert und vom Patienten als Selbstverständlichkeit akzeptiert wird, dann durchbohrt ihn jetzt das besagte hängende Schwert, und das bedeutet den Anfang vom Ende, welches bereits in kurzer Zeit eintreten kann. Eine ähnliche Verstrickung sehen wir auch bei Krebs: Die Anwesenheit eines neues Tumors erklärt sich allzu leicht als Metastase des Muttertumors (der aber selbst nicht erklärt werden kann), und die Diagnose der Ausdehnung des Krebses zieht einen neuen Konflikt nach sich. Bei AIDS kann sogar folgendes passieren: Eine Lungenentzündung bei einem Seropositiven, der einen Todesangstkonflikt aufgrund des Verlustes eines Freundes überwunden hat, wird nicht nur als Lungenentzündung angesehen, sondern auch als Manifestation der Verschlechterung seines Gesundheitszustands: daher erleidet er ein Konfliktrezidiv. Kurz gesagt, gibt es ein Gesetz für Freunde und eines für Feinde, sowohl in der Diagnose, der Prognose und der Therapie - abhängig nämlich von der Anwesenheit oder Abwesenheit eines (Mutter-)tumors [bei Krebs] bzw. von Antikörpern [bei AIDS].

In der unglücklichen Evolution von seropositiven Patienten ähneln viele ihrer Geschichten höllischen Spiralen, aus denen auszubrechen nicht einfach ist. Auch ohne Berücksichtigung der Konflikte, die der harten Diagnose vorausgegangen sind, ist eben diese Diagnose oft ausreichend, um die Spirale in Gang zu setzen; die dann Selbstwerteinbrüche, Angstkonflikte, Trennungskonflikte etc. heraufbeschwört. Und wenn dieser Konflikt gelöst ist, besteht das Risiko, daß die Heilungssymptome als Anzeichen für die Krankheit interpretiert werden, und daß der Teufelskreis durch eine Reaktivierung des alten Konflikts ausgelöst wird. Es gibt dann all die Konflikte in unserer Gesellschaft, die ein Individuum mit einem solchem medizinischen Brandzeichen erleben mag: die Gefahr eines Teufelskreises immer eingeschlossen, jedes Mal wenn einer dieser Konflikte gelöst ist. Und währenddessen geht das Leben weiter, unabhängig von A.I.D.S., mit den Konflikten, die jeder von uns gelegentlich hat; aber auch hier werden die organischen Folgen dieser Konflikte oder ihrer Lösungen häufig dramatisch interpretiert und beschleunigen die Spirale. Letztendlich sind es die Anhäufung, die Hartnäckigkeit und die Verstrickung all dieser Konflikte in verschiedenen Stadien (z.B. aktive Konflikte, die einen belasten, oder Reparaturphasen nach der Lösung, die beunruhigende Symptome zeigen und den Teufelskreis auslösen können), die das Individuum nach und nach an seine persönlichen Überlebensgrenzen führen.

Copyright Dr. Michel Henrard, 1997

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